Ein Steg im Sonnenuntergang

Wenn ich früher das obige Zeichen sah, dachte ich immer an einen einsamen, im Wasser stehenden Holzsteg vor einer roten untergehenden Sonne. Diese Romantik wurde durch meine Führerscheinprüfung jäh unterbrochen. Seit dem weiß ich, dass die „Sonne“ in Wahrheit ein Tanklastzug und der „Steg“ eine Radachse ist. Das Wasser soll – welch persönliche Genugtuung – tatsächlich Wasser sein, allerdings ein besonders schützenswertes…

Doch was steckt hinter diesem Wunderwerk an Piktogramm? Das Schild ist ein Richtzeichen nach § 42 Abs. 2 iVm Anlage 3 Nr. 25 StVO. Richtzeichen geben besondere Hinweise zur Erleichterung des Verkehrs und können auch Ge- und Verbote enthalten. Sie stehen üblicherweise dort, „wo oder von wo an die Anordnung zu befolgen ist“ (§ 42 Abs. 3 StVO). Eine konkrete Anordnung geht von dem hier abgebildeten Schild nicht aus; das Schild ist ein reines Hinweisschild. Es weist darauf hin, dass hinter dem Schild ein Wasserschutzgebiet liegt. 

Ein Wasserschutzgebiet ist ein Gebiet mit einem schützenswerten Wasservorkommen (§ 51 WHG); z.B. ein Grundwassersee, aus dem Trinkwasser gepumpt wird. Damit das Trinkwasser nicht verunreinigt wird, sind in dem Wasserschutzgebiet bestimmte Handlungen reglementiert oder verboten. Die Details werden in einer Rechtsverordnung festgeschrieben (§ 52 WHG), wobei für jedes Wasserschutzgebiet eine „eigene“ Rechtsverordnung erlassen wurde. Darin ist üblicherweise der Umgang mit wassergefährdenden Stoffen stark reglementiert, wodurch verhindert werden soll, dass das schützenswerte Wasservorkommen kontaminiert wird. Bei Verstößen drohen empfindliche Bußgeldstrafen, teilweise in Höhe von bis zu 50.000,- €.

Allerdings ist fraglich, ob das Ziel des Wasserschutzes durch das StVO-Schild tatsächlich erreicht wird. Zwar ist es in der Theorie sinnvoll, FahrzeugführerInnen auf das Vorhandensein eines Wasserschutzgebietes hinzuweisen. So können diese auf ihre eventuell wassergefährdende Ladung besonders Acht geben und dadurch einer drohenden Wasserkontamination vorbeugen.

In der Praxis dürfte dem Wasserschutz durch das Schild aber wohl kaum gedient sein. Denn die wenigsten dürften wissen, was die „hinter“ dem Schild stehenden Regelungen in den Rechtsverordnungen konkret vorschreiben. Beispielsweise ist es entscheidend, um was für einen wassergefährdenden Stoff es sich handelt oder in welcher Schutzzone der Umgang mit dem Stoff erfolgen soll. Diese wichtigen Informationen sind dem Schild nicht zu entnehmen. Und das, obwohl im Grunde jedes Auto wassergefährdende Stoffe mitführt. Die „Macher“ des Schildes täten daher gut daran, das Piktogramm weiter zu konkretisieren, um die Regelung dahinter für uns Bürger verständlicher zu machen.

Diesen Beitrag kommentieren

Kommentierung des aktuellen Beitrages


*

*Pflichtfelder